Familie Lewin

Hermann, Eva und Hanna
Die Lewin-Kinder: Hermann, Eva und Hanna(etwa 1923)

Karl Lewin war von 1914 bis 1930 Miteigentümer und Geschäftsführer des Schocken - Kaufhauses in Freiberg. Seine Großmutter mütterlicherseits war eine Schwester der Gebrüder Simon, Salman und Hermann Schocken. Er wurde am 01. Mai 1881 in Kolmar (Provinz Posen) geboren. Der Vater besaß dort ein Geschäft für Leder- und Schuhmacherbedarfsartikel und war Vorsteher der großen jüdischen Gemeinde in Kolmar. Nach dem Besuch der jüdischen Volksschule absolvierte Karl Lewin eine Lehre als Kaufmann in Stolp (Pommern). Er arbeitete danach zunächst in einem kleinen Textilgeschäft in Boppard am Rhein, später in angesehenen Modehandlungen in Halberstadt, Oels (in der Nähe Breslaus), Landsberg an der Warthe und bei Tietz in Chemnitz. 1907 wurde er Geschäftsführer bei der Firma Warenhaus Ury Gebrüder in Leipzig, schließlich, 1910 Geschäftsführer eines dem Schocken-Konzern angeschlossenen Geschäfts in Geesthacht.

Karl und Charlotte Lewin
Karl und Charlotte Lewin in ihrer Wohnungauf der Herzog-Heinrich-Straße 12

Im Oktober 1911 heiratete Karl Lewin seine Frau Charlotte, geb. Hirsch. Ihr erster Sohn, Hermann, wurde 1912 geboren. Im Januar 1914 zog das Ehepaar nach Freiberg, wohin ihn die Gebrüder Schocken als Geschäftsführer ihres neu zu eröffnenden Kaufhauses beriefen. In Freiberg wurden die Töchter Hanna (1915) und Eva (1920) geboren.
Ihr Haus in der Herzog-Heinrich-Straße (heute: Heinrich-Heine-Straße) wurde bald zu einem Zentrum des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Freiberg. Vorträge, Musik- und Gesprächsabende zogen viele Freiberger - jüdische und nichtjüdische - an.
Karl Lewin gehörte bis zu seinem Wechsel nach Chemnitz zu den angesehensten Freiberger Persönlichkeiten. In Chemnitz übernahm er das 1930 neu eröffnete, moderne Schocken-Kaufhaus. 1935 feierte er dort sein 25-jähriges Dienstjubiläum bei Schocken.
Kurz darauf vertrieben ihn die Nazis. Familie Lewin floh über England und Italien nach Palästina, wo sie 1938 eintraf.
Karl Lewin verstarb dort in den 40er Jahren.

Karl Lewin zum 25-jährigen Dienstjubiläum
Karl Lewin zum 25-jährigen Dienstjubiläum bei der Firma Schocken, Chemnitz 1935