Siegfried Lewinsky
Schauspieler über die Zeit
Siegfried Lewinsky (1881 - 1958)
Siegfried Lewinsky wurde am 24. Mai in Kempen/NRW geboren. Hier besuchte er das humanistische Gymnasium und ging anschließend nach Berlin, um sich bei Heinrich Oberländer auf die Bühnenlaufbahn vorzubereiten. Lewinsky war nach Abschluß des Studiums zuerst in Wesel und Stettin engagiert.
- 1909
- wurde Lewinsky von Sr. Exzellenz Graf Seebach und dem Geheimen Hofrat Dr.Zeitz an das Königliche Schauspielhaus Dresden verpflichtet. Hier spielte er zumeist Nebenrollen, u.a. in Stücken von Gerhart Hauptmann
- 1915
- Rolle des Ritters Wolf in Kastells "Florian Geyer", indianischer Krieger in "Das Opfer"
- 1922
- Rolle des Pedell Janetzki in "Kollege Cramton"
- 1928
- Rolle des Priamus in "Troilus und Cressida"
- 1929
- Rolle des Gastwirts Strudel in "Der böse Geist Lumpacivagabundes"
- 1932
- Rolle eines Stadtverordneten in "Vor Sonnenuntergang"
- 1933
- wurde Lewinsky wegen seiner jüdischen Abstammung am 31.August auf der Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus dem Staatstheater entlassen. Im Jahresbericht des Theaters 1934 wurde der 53jährige als "im Ruhestand" verzeichnet.
- 1933
- Bereits am 16.Februar trat Siegfried Lewinsky im Rahmen des Winterprogramms der Fraternitas-Loge der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden auf. Von da an gehörte er zu den aktivsten Künstlern, die von nun an regelmäßig in der Jüdischen Gemeinde auftraten, u.a. stand er hier mit Jenny Schaffer, Julius Wahle, Otto Bernstein und Walter Goldmann auf der Bühne
- 1938
- Vermutlich nach der Reichspogromnacht wurde Lewinsky nach Buchenwald deportiert, kam aber noch im gleichen Jahr wieder frei. Da er mit Martha, geb. Müller, einer nichtjüdischen Ehefrau verheiratet war (privilegierte Ehe), stand er unter einem gewissen Schutz.
- 1943
- berichtete Victor Klemperer mehrfach in seinem Tagebuch über Besuche von Lewinsky bei ihm. Lewinsky beschaffte Klemperer Bücher und Zeitungen.
- 1945
- Lewinsky sollte wahrscheinlich mit dem letzten Judentransport nach Theresienstadt deportiert werden. Durch den Bombenangriff auf Dresden kam dieser Transport nicht mehr zustande. So gehörte Lewinsky zu den wenigen Dresdner jüdischen Künstlern, die in ihrer Heimatstadt die Nazi-Zeit überlebten. Noch im selben Jahr spielte er wieder im Dresdner Staatsschauspiel u.a. in "Kater Lampe", "Hauptmann von Köpenick" und das "Gotteskind". Fotos belegen, dass er auch in dieser Zeit in der Jüdischen Gemeinde weiter als Rezitator auftrat.
- 1947
- verzeichnet ein Programmblatt der Jüdischen Gemeinde, dass Lewinsky im Rahmen eines Purim-Programms auftrat.
- 1951
- stand der inzwischen 70jährige das letztemal auf der Bühne - wieder in einer Nebenrolle: als Fußgänger in dem Stück "Das Glockenspiel des Kreml" von Pogodin. Zwei Jahre später bemühte sich die Jüdische Gemeinde, dem schwer Erkrankten und seiner Frau einen Platz in einem jüdischen Altersheim in Berlin zu besorgen. Am 29.Juni 1958 starb Siegfried Lewinsky in Dresden. Knapp ein Jahr später starb auch seine Frau und wurde neben ihm beigesetzt. Ihr gemeinsamer Sohn lebt in Guatemala.
Siegfried Lewinsky wurde am 24. Mai in Kempen/NRW geboren. Hier besuchte er das humanistische Gymnasium und ging anschließend nach Berlin, um sich bei Heinrich Oberländer auf die Bühnenlaufbahn vorzubereiten. Lewinsky war nach Abschluß des Studiums zuerst in Wesel und Stettin engagiert.
Nach dem Krieg trat Lewinsky auch weiterhin in der jüdischen Gemeinde auf. Hier bei einer Kulturveranstaltung im neu eingerichteten Gemeindesaal auf der Bautzener Straße.
Während der Nazi- Zeit gehörte Siegfried Lewinsky zu den aktivsten Künstlern im Gemeindeleben. Seine Auftritte wurden im Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde gewürdigt.
Programm des Dresdner Staatsschauspiels von 1929: Lewinsky spielte den Wirt Strudel
Grab von Siegfried und Martha Lewinsky auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden (Grab-Nr.: AIR 19/27)