Warenhaus Schocken

- Salman Schocken
Am 27. März 1914 wurde auf der Freiberger Peterstraße das Kaufhaus Schocken eröffnet. Miteigentümer und Geschäftsführer bis 1930 war Karl Lewin. Mit der Freiberger Kaufhausgründung wurde das seit 1901 (Zwickauer Kaufhaus) entstandene Warenhausunternehmen der Gebrüder Schocken zum bedeutendsten Kaufhauskonzern Sachsens. Es war neben Wertheim, der Rudolph Karstadt AG und der Herrmann Tietz und Leonhard Tietz AG auch zu einem der größten Warenhausketten Deutschlands geworden. So vermochte der Schocken- Konzern auch die prekäre wirtschaftliche Lage im 1. Weltkrieg und die schweren Wirtschaftsdepressionen in der Zeit der Weimarer Republik zu überstehen. Vor allem zwischen 1924 und 1932 wurde das Unternehmen durch Modernisierung von Filialen und Errichtung neuer Kaufhäuser (z. B. in Nürnberg, Stuttgart, Crimmitzschau, Chemnitz und Pforzheim) über Sachsen hinaus erweitert. Den Nazis war das jüdische Schocken- Unternehmen von Anfang an ein Dorn im Auge. Nach Machtübernahme am 30. Januar 1933 begann die kontinuierliche Existenzeinengung und schließlich "Arisierung" des seit 1929 von Salman Schocken allein geführten Unternehmens. Jüdische Angestellte wurden auch in Freiberg gedemütigt, zur Entlassung gezwungen und verfolgt, Kunden bedroht. Karl Lewin, der von 1914 bis 1930 das Freiberger Kaufhaus geleitet hatte und danach das neu eröffnete Kaufhaus in Chemnitz übernahm, emigrierte 1936 mit seiner Familie. Seine Nachfolger Heymann und Jakobsen flohen im gleichen Jahr.
- 1914
- Eröffnung des Kaufhauses durch die Brüder Simon und Salman auf der Peterstraße (Karl Lewin Geschäftsführer), 40 Angestellte
- 1920
- Erweiterung des Verkaufsraums in der 2. Etage
- 1924
- Modernisierung des Erdgeschosses; sog. "Oberhof" für Erweiterung gekauft
- 1929
- 3,25 Mio Reichsmark Umsatz bei etwa 35.000 Einwohnern in Freiberg und Umgebung
- 1930
- Geschäftsübergabe an Herrn Heymann; das Kaufhaus hat ca. 170 Angestellte
- 1933
- Salman Schocken beauftragt Siegfried Jakobsohn mit der Geschäftsführung; der Terror der Nazis zwingt ihn 1935 (?) mit seiner Frau Eva und Tochter Gertrud zur Flucht aus Freiberg und Deutschland
- 1938
- antijüdische "Reichspogromnacht" im November 1938 kurzfristige Schließung durch Polizei am 12. November, laut Reviertagebuch "Übergriffe ... durch drohende Menschenmenge". Salman Schocken wurde danach zur entgültigen "Arisierung" seines Konzerns gezwungen.
- 1939
- Seit 1. Januar wurden das Freiberger Kaufhaus und andere Teile des Unternehmens als "arisiert" unter dem Namen Merkur AG weitergeführt.
Bild: Arbeitsvertrag von 1922 zwischen dem Kaufhaus Schocken und Frau Dora Eidner als Verkäuferin
Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wurden die in der sowjetischen Besatzungszone liegenden Konzernteile vom 30. Juni 1946 als "Nazi- und Kriegsverbrecherkonzern" entschädigungslos enteignet.
1947 erfolgte die Rückgabe der in der amerikanischen Besatzungszone gelegenen Konzernteile an Salman Schocken, der das Unternehmen jedoch 1983 an den Kaufhauskonzern Horten verkaufte.
Nach 1945 war das Freiberger Kaufhaus kurzzeitig eine Handelseinrichtung der sowjetischen Militäradministration. Später wurde es an die Konsumgenossenschaft Freiberg übergeben.
Dokumentation zur Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken
Im April 2007 erschien als neuestes Ergebnis der Projektarbeit eine Dokumentation zur Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken:
- Michael Düsing:
- Das Freiberger Kaufhaus Schocken - eine Spurensuche, Freiberg 2007, 52 Seiten DIN A 5 mit zahlreichen Abbildungen
- Herausgeber:
- Universitätsstadt Freiberg
Die Oberbürgermeisterin - Gesamtherstellung:
- Medienzentrum der TU Bergakademie Freiberg
Aus dem Klappentext: "Die Erinnerung an das Freiberger Kaufhaus Schocken, seine Gründer und Akteure, ist überfällig. Sie ist mehr als eine Erinnerung an einen geschichtlich gewordenen Handelsplatz. Sie ist die überfällige Begegnung mit einer in der Geschichte Sachsens und Deutschlands beispielgebenden unternehmerischen Leistung. Sie ist die überfällige Würdigung eines herausragenden sozialen, wirtschaftlichen und kulturpolitischen Beitrags, den die Gebrüder Simon und Salman Schocken, ebenso wie viele Mitarbeitende des Unternehmens für deutsch-sächsisches Wirtschafts-, Kunst- und Sozialleben und auch für die Entwicklung Freibergs eingebracht haben.
Nach der Zerstörung des Lebenswerkes der Gebrüder Schocken auch in unserer Stadt durch die zynische und unmenschliche Unkultur der Nazis und nach dem Schweigen der DDR ist es an der Zeit, die Kultur des Umgangs unserer Stadt mit jenen Traditionen, für die das Kaufhaus Schocken stand, sichtbar und vernehmlich zu dokumentieren."
Die Broschüre ist auf Anfrage beim CJD Chemnitz, Außenstelle Freiberg (siehe Kontakt) erhältlich.



