Miron Sima
Im Niemandsland der Hoffnung
Miron Sima (1902 - 1999)![]()
Miron Sima wurde am 22.Januar 1902 in Proskurow in der Ukraine geboren. Der Vater, Benjamin Sima, war ein angesehener Architekt und Kalligraph. Die Eltern boten ihren Kindern eine humanistische Erziehung und förderten früh das Talent von Miron Sima. Doch seine Kindheit prägte vor allem die Zeit schwerer Pogrome und Krieg.
"Als sich aber nach der Oktoberrevolution die Gegensätze zwischen verschiedenen politischen Formationen bis zum äußersten verschärften, waren es die Juden, die das mit ihrem Leben und ihrem Vermögen zahlen mussten. Eine entsetzliche Welle von Metzeleien rollte über die Ukraine. Die schlimmsten fanden in Proskurow statt, wo die ‚Petljura-Haidamaken' mehrere tausend Juden ermordeten."
(aus "Miron Sima - ein Maler in Dresden und Jerusalem", Dresden 1992)
- 1920
- nach erneutem P ogrom Flucht nach Odessa, Beginn des Kunststudiums
- 1921
- Flucht nach Polen, Eltern und Geschwister folgten ihm 1922, 1923 wandern die Eltern nach Palästina aus.
- 1924
- Studienbeginn an der Kunstakademie Dresden, Sima war Schüler von Ferdinand Dirsch, Max Feldbauer, Otto Gussmann, Ludwig von Hoffmann und Otto Dix, dessen Einzelschüler Miron Sima später wurde und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Es entstand die Holzschnittfolge "Der Aufschrei" über die Erfahrungen mit den Pogromen.
- 1926
- Herausgabe des Mappenwerkes "Orientreise" über einen Aufenthalt in Palästina
- 1927
- Beginn der Freundschaft mit Lea und Hans Grundig, Paul Berger- Bergner und Otto Griebel
- 1930
- Ausstellungsbeteiligung im Sächsischen Kunstverein mit den Arbeiten "Kind im Stühlchen" und "Dunkle Gasse"
- 1932
- Kunstpreis der Stadt Dresden für das Bild "Feilenhauer". Der Preis wurde gegen den Widerstand der nationalsozialistischen Mitglieder der Dresdner Kunstgenossenschaft verliehen.
- 1933
- Nach dem Machtantritt der Nazis war Sima Hausdurchsuchungen, Denunziationen und Drohungen ausgesetzt. Schließlich erfolgte seine Ausweisung als Staatenloser. Im Sommer wanderte Miron Sima nach Palästina aus. Um die Überfahrt bezahlen zu können, musste er das Bild "Feilenhauer" verkaufen.
- 1939
- Arbeit als Bühnenbildner für das Habima-Theater und das Ohel-Theater. Sima schloss sich der Haganah - einer jüdischen Selbstverteidigungsarmee in Israel an. Teilnahme an der Weltausstellung in New York
- 1948
- Beteiligung an der Verteidigung Jerusalems während des Befreiungskrieges
- 1956
- Einzelausstellung im Museum für Moderne Kunst in Haifa
- 1961
- Als einziger Künstler nahm Miron Sima am Eichmann-Prozess teil. Die Zeichnungen, die dabei entstanden waren, wurden 1968 zusammen mit Zeugenaussagen als Buch herausgebracht. Es gab Ausstellungen in Jerusalem, Tel Aviv und Haifa. 1969 erschien das Buch im Auftrag der Bundesregierung in deutscher Sprache.
- 1963
- Ernennung zum Ehrenmitglied der Akademie der Künste in Florenz
- 1985
- Zusammentreffen mit Erhard Frommhold in Ostberlin. Die Möglichkeit einer Ausstellung in Dresden wird erwogen. Doch die Briefe Simas an den Dresdner Oberbürgermeister blieben unbeantwortet.
- 1991
- Nach einem Besuch des damaligen Oberbürgermeisters Herbert Wagners im Jerusalemer Atelier von Miron Sima wird er zu einer Ausstellung nach Dresden eingeladen.
- 1992
- Erstmals nach 58 Jahren wieder eine Ausstellung mit Bildern Miron Simas in Dresden in der Galerie Rähnitzgasse. Zu dieser Ausstellung konnte auch das Bild "Der Feilenhauer" wieder gezeigt werden, das die Erben des früheren Käufers dafür zur Verfügung stellten.
- 1999
- Im Dezember starb Miron Sima als hochgeschätzter Künstler in Jerusalem. Erhard Frommhold hatte ihn als den "Dresdner in Jerusalem" bezeichnet, da die Verbindung zu der Stadt, die ihn künstlerisch prägte und deren Kunstentwicklung er selbst mitbestimmt hatte, nie ganz zerrissen waren.
Als Dix das Bild ‚Dunkle Gasse' sah sagte er: "Das ist gut… Sie haben noch Mitleid mit diesen Frauen. Ich habe kein Mitleid mehr. Das ist der Unterschied zwischen uns."
(aus: "Miron Sima - ein Maler in Dresden und Jerusalem", Dresden, 1992)
Ausweisungsbefehl für Miron Sima als Staatenloser.