Irena Rüther- Rabinowicz
Bleibende Spuren in der Elbmetropole
Irena Rüther- Rabinowicz (1900 - 1979)
Dieses 1935 entstandene lebensgroße Porträt von Irena Rüther- Rabinowicz gehört zu den bedeutendsten Werken des Malers Fritz Hofmann- Juan. "die elegante junge Künstlerin blickt direkt auf den Betrachter und unterstreicht damit das Selbstvertrauen der begabten Malerin. Im Stiel der großen spanischen Repräsentationsporträts des 17. Jahrhunderts posiert die schöne Frau vor der weltbekannten Silhouette Dresdens, die sich formal angedeutet am niedrigen Horizont zeigt".
(Katalog "Hoffmann- Juan" der städtischen Kunstsammlung Freital)
Irena Rabinowicz wurde am 22. September in Köln in gut behüteten Verhältnissen geboren. Der Vater war höherer Beamter, die Mutter Sabina, geb. Benzef, stammte aus Warschau. Irena wuchs in Köln und Chemnitz auf.
Aufgrund ihrer Mischehe galt die Malerin als "privilegiert" und genoss einen gewissen Schutz. Sie wurde 1945 für den Transport am 16. Februar vorgesehen, mit dem etwa 100 noch in Dresden verbliebene Juden nach Theresienstadt deportiert werden sollten. Der Luftangriff vom 13. Februar 1945 vereitelte diese Deportation. Das Gefängnis, in dem sie bereits inhaftiert war, wurde durch eine Bombe getroffen. Sie überlebte und ihr gelang die Flucht. Ihren Mann Hubert Rüther hatten die jahrelangen Torturen mit Hausdurchsuchungen, Bedrohungen und der schweren Zwangsarbeit schwer zerrüttet. Er erlag im September 1945 einem Nervenleiden.
- 1916
- kam sie nach Dresden und besuchte hier die höhere Töchterschule sowie verschiedene private Malschulen.
- 1919
- wurde Irena Rabinowicz als erste weibliche Studentin an der Kunstakademie Dresden immatrikuliert. Sie wurde dabei als politische Staatsangehörige verzeichnet. Fünf Semester lang (bis 1922) studierte sie duch die Förderung ihres privaten Gönners- des Malers Fritz Hofmann- Juan, dem sie lebenslang verbunden blieb, und der sie oft malte. Sie studierte u.a. zusammen mit Otto Dix, Peter August Böckstiegel, Otto Griebel, Bernhard Kretzschmar und Hubert Rüther. Ihr Leher war Otto Gussmann, Professor für dekorative Malerei an der Dresdner Kunstakademie.
- 1921
- heiratete Irena den Maler Hubert Rüther (11.04.1886 - 16.09.1945). Ihr einziger Sohn Peter, der heute in den USA lebt, stammt aus dieser Ehe.
- 1922
- Beginn einer zwölfjährigen Schaffensperiode als freischaffende Künstlerin in Dresden. Sie unternahm verschiedene Reisen ins Ausland, unter anderem nach Belgien, Italien, Spanien- meist in Begleitung des Malers Hofmann- Juan.
- 1933
- reiste Irena Rüther- Rabinowicz in die USA, um die Ausreise ihres Sohnes vorzubereiten. Sie selbst kehrte jedoch Ende des Jahres zu ihrem Mann nach Dresden zurück.
- 1934
- Austellungs- und Berufsverbot für Irena und ihren Mann. Hubert Rüther hatte sich trotz mehrfacher Aufforderung durch die Gestapo und die "Reichskulturkammer" nicht von ihr scheiden lassen, musste so die entwürdigende Behandlung ebenfalls ertragen. Dazu gehörten Hausdurchsuchungen und Bedrohungen durch die Gestapo.
- 1938
- wurde Irena Rüther- Rabinowicz als eine der wenigen Frauen in de Nacht vom 9. zum 10. November vorübergehend inhaftiert.
- 1939
- Kurzzeitig entstand der Plan, selbst auszuwandern.
- 1943
- Zwangsarbeit in der Kartonfabrik
- 1979
- Am 31.12. starb Irena Rüther- Rabinowicz in Dresden.
Porträt von Irena Rüther- Rabinowicz "Im Reiterkostüm", Fritz Hofmann- Juan, Öl auf der Leinwand, 1935 "Neben ihrer künstlerischen Arbeit war die junge Frau eine begeisterte Reiterin. Befreundet mit dem Zirkusdirektor Hans Stosch vom weltberühmten Zirkus Sarrasani ritt sie dort auch die Hohe Schule."
(Katalog "Hofmann- Julan" der Städtischen Kunstsammlung Freital)
Das völlig verwilderte Grab auf dem Loschwitzer Friedhof. In dieser Gemeinschaftsgrabstelle haben neben Irena Rüther- Rabinowitcz mehrere Künstlerkollegen ihre letzte Ruhestätte:
Fritz Hofmann- Juan (1873 - 1937) und seine Frau Liddy Hofmann- Juan (1884 - 1935)
Hubert Rüther (1886 - 1945) sowie ihre Mutter Sabine Rabinowicz (1880 - 1951)
ihr 2. Mann Dr. med. W.Zimmermann (1896 1958) und dessen Mutter Therese Zimmermann, geb. Ritter (1866 - 1951)
1920 entstand dieses Bild von Richard Tauber, einem der wohl bedeutendsten Tenöre des 20. Jahrhunderts. Das Porträt des jungen Tauber setzte Irena Rüther- Rabinowicz dem Betrachter fast frontal gegenüber. Die lässige Haltung, die Zigarette haltende Hand und die aparte Kleidung lassen den Weltmann erahnen.
Dieses Fenster an der Westseite der damaligen Dresdner Synagoge schuf Irena Rüther- Rabinowicz 1949. Es ziert bis heute das Gebäude, das 1950 als erste neuerrichtete Synagoge im Gebiet der DDR eingeweiht wurde. Seit der Fertigstellung der Neuen Synagoge 2001 dient das Haus der Gemeinde als Totenhalle.
Dankschreiben von Leon Löwenkopf, dem ehemaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Dresden (an Irena Rüther- Rabinowicz für das Davidsternfenster)