1914-1933
1.Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise
- 1914
- Beginn des 1.Weltkrieges
- 1916
- "Judenzählungen" an den Fronten
- 1916
- Errichtung eines Ehrenmals für die gefallenen Soldaten der Jüdischen Gemeinde Dresdens auf dem Neuen Israelitischen Friedhof
- 1918
- Ende des Weltkrieges, Novemberrevolution
- 1919
- Wahlen zur Nationalversammlung und zur Sächsischen Volkskammer Volksschulgesetz, Trennung von Kirche und Staat
- 1919
- Gründung der Künstlergruppe "Neue Sezession"
- 1920
- Kapp-Putsch; Neue Sächsische Verfassung
- 1921
- erste NSDAP-Gruppe Sachsens in Zwickau gegründet; Reparationszahlungen beschleunigen Inflationsprozeß
- 1923
- Sozialdemokratische Minderheitsregierung; Neue Gemeindeordnung;Schaffung proletarischer Truppen zur "Abwehr des Faschismus"
- 1923
- Reichsexekution gegen Sachsen, Absetzung der sächsischen Regierung
- 1927
- Einführung der Arbeitslosenversicherung
- 1928
- Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit steigen an; vom Staat werden Arbeitsämter eingerichtet
- 1929
- Notstandsprogramme der Sächs.Regierung für Arbeitsplätze im Wohnungsbau, Straßenbau- und Wegebau
- 1930
- Weltwirtschaftskrise erreicht Sachsen
- 1930
- Eröffnung des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden
- 1930
- NSDAP wird mit 14 Sitzen zweitstärkste Fraktion im Sächsischen Landtag
Der Weltkrieg war die Urkatastrophe dieser Periode. Die sozialen Verwerfungen, die ihm folgten, schufen eine neue Struktur der Gesellschaft mit einem veränderten Verständnis von den Aufgaben der Künste. Eine Vielfalt von Richtungen entstand, darunter auch neue Formen der Massen- und Gebrauchskultur.
Auch für die jüdischen Künstler war der Erste Weltkrieg das prägende Ereignis. Zu den Wirkungen der Kriegserlebnisse kam für sie noch die Wahrnehmung eines verstärkten Antisemitismus, wie er sich zum Beispiel in der "Judenzählung" 1916 ausdrückte. Ein Teil der Künstler mit jüdischem Hintergrund wurde vom deutschen Nationalismusstark beeinflusst und bemühte sich bewusst, vordergründig ihr Deutschsein darzustellen.
Die Überlieferung auf jüdische Künstler dieser Periode ist nicht unproblematisch, da viele sich selbst nicht mehr als Juden verstanden und erst ihre Verfolgung nach 1933 ihre Herkunft den nachfolgenden Generationen bewusst macht. Nicht selten erfolgte später der (falsche) Umkehrschluss aus der Verfemung der Kunst als "entartet" auf eine jüdische Herkunft des Künstlers.
Im Gegensatz zu dieser Entwicklung gab es aber auch Künstler, deren Schaffensmittelpunkt ihre jüdische Religiosität und Identität war.
Beide Strömungen waren Ausdruck des Risses, der zu dieser Zeit durch die jüdische Bevölkerung Deutschlands ging und der zu unterschiedlichen Lebensentwürfen führte.