Presseinformation
Unter dem Titel „‘Mein Weg, Herr Oberbürgermeister, ist schon bestimmt‘. Judenverfolgung in Freiberg 1933 – 1945“ hat am 20.09.2011; 11 Uhr im Rathaus Freiberg; Obermarkt die erste umfassende Dokumentation zur Judenverfolgung im sächsischen Freiberg Premiere.
„Mein Weg, Herr Oberbürgermeister, ist schon bestimmt“, schrieb 1939 resigniert der Weinhändler Max Freud an den damaligen Freiberger OB, Dr. Werner Hartenstein. Der Jude Max Freud sah nach der Vernichtung seiner wirtschaftlichen Existenz durch NS-Staat und Gestapo und nach den andauernden Demütigungen durch Freiberger Bürger für sich keinen Ausweg mehr. Er schien zu ahnen, was ihm noch bevor stand. Max Freud starb 1942 im KZ Dachau. Seine Geschichte ist durch eine schmale Akte im Stadtarchiv Freiberg belegt.
Michael Düsing recherchierte jahrelang akribisch in Archiven, in Kontakten zu Angehörigen und Zeitzeugen die Geschichte der Freiberger Juden. Nun legt er die erste umfassende Dokumentation der Judenverfolgung im sächsischen Freiberg, die erste gründliche Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus in seiner Stadt überhaupt, vor. Sachlich und detailliert werden die Entrechtung, schließlich die Vertreibung und Ermordung jüdischer Bürger aus einer gutbürgerlichen Stadt, das Elend von 1.000 jüdischen Zwangsarbeiterinnen in der „Freia GmbH“, einem Außenlager des KZ Flossenbürg, und die „Todesmärsche“ von KZ-Häftlingen am Ende des II. Weltkrieges durch die Region Mittelsachsen geschildert. Das Buch benennt am konkreten Beispiel der Bergstadt Freiberg, die 2012 stolz ihr 850jähriges Bestehen feiert, typische örtliche Mechanismen und Protagonisten der Judenverfolgung. Es gibt den Opfern Namen und Gesicht zurück. Und es enthüllt die Legenden, die nach 1945 das Geschehen „vor Ort“ verdrängen und verschweigen halfen.
Projekt "Shalom" CJD Chemnitz
Seit 1992 widmet sich das CJD in seiner Außenstelle Freiberg der Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte der Juden in der Region. Wesentliches Augenmerk wird dabei auf die aktive Einbeziehung junger Menschen gelegt. In verschiedenen Jugendprojekten, finanziert durch XENOS, Civitas, Arbeits- und Sozialamt erhalten Jugendliche immer wieder die Möglichkeit, sich auf verschiedenen Ebenen mit dieser Thematik zu beschäftigen und sich gleichzeitig persönlich durch Lernfelder und praktische Arbeitsbereiche weiter zu qualifizieren. Die Presse (Pressestimmen) begleitete die Arbeit während all der Jahre mit vielen Artikeln. Die qualitativ hochwertigen Ergebnisse der Projekte werden in Ausstellungen und Büchern publiziert. Aktiv genutzt werden sie aber auch durch die Jüdischen Gemeinden - so zum Beispiel die vollständige Dokumentation der mehr als 2.500 Grabstellen des Neuen Israelitischen Friedhofes in Dresden, die im Frühjahr 2006 an die Jüdische Gemeinde Dresden übergeben werden konnte. Wichtige Partner bei dieser Arbeit sind der Landesverband der Jüdischen Gemeinden Sachsens und die Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen HATiKVA e.V. in Dresden.
Projekte mit Schulgruppen gehören ebenfalls zu unserer Arbeit. So veranstaltete das CJD mit der Freiberg Grundschule Pestalozzi eine Projektwoche im Rahmen der Feriengestaltung für die Klassenstufe 1-4. Eine Woche lang konnten sich die Kinder spielerisch mit Israel beschäftigen und die Freiberger Partnerstadt Ness Ziona kennenlernen.
Im August 2006 bot das CJD im Rahmen des Ferienprogramms der Mittelschule Pestalozzi eine Spezialwoche zur Partnerstadt Ness Ziona an. Besondere Herausforderung war die gemischte Altersstruktur der Ferienkinder von der 1. bis zur 4. Klasse. So war es erforderlich, einen altersgerechten Zugang zur Thematik zu schaffen, der in allen Altersgruppen angenommen wird. Viel Wert legten die beiden Akteurinnen Heike Liebsch und Pia Kindermann deshalb auf den Spaßfaktor. Trotzdem wurde auch viel gelernt. Und damit ging es gleich am ersten Tag los. mehr lesen
Über mehrere Jahre arbeiteten verschiedene Jugendgruppen im Rahmen des Projektes Shalom an den Themen:
- - Jüdisches Leben in Freiberg (seit 1992)
- - virtueller Stadtrundgang zur jüdischen Geschichte in Freiberg (2001 - 2002)
- - Jüdische Friedhöfe in der sächsischen und böhmischen Grenzregion (1999 - 2001)
- - Erfassung des Neuen Israelitischen Friedhofes in Dresden (2001 - 2004)
- - Dresdens Jüdische Künstler (2004)
Aktuell wird seit 2005 an folgenden Projekten gearbeitet:
- - Erinnerungsweg - Jüdische Spuren im Erzgebirge
- - Stolpersteine - Erinnerungsorte in Freiberg



